Podcast Klingende Zeitgeschichte

 

Klingende Zeitgeschichte im Ohr
Wissenschaftlich-künstlerische Podcasts

Projektleitung: Cornelia Szabó-Knotik
Konzept und Entwicklung: Eva Schörkhuber und Haruki Noda
Wissenschaftliches Team: Severin Matiasovits, Anita Mayer-Hirzberger und Erwin Strouhal
Laufzeit: 2019–2021

Unter Beteiligung* der folgenden Institute und Organistationseinheiten der mdw sind die wissenschaftlich-künstlerischen Podcasts entstanden: Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Insitut für Komposition, Elektroakustik und Tonmeister_innen-Ausbildung, Joseph Haydn Institut für Kammermusik und Neue Musik,  Max Reinhardt Seminar - Institut für Schauspiel und Schauspielregie und des mdw-Archivs (2021).

* Eine Liste aller Mitwirkenden findet sich unter "Weitere Informationen" (siehe unten)


Programm

Im Rahmen des von Cornelia Szabó-Knotik geleiteten Projekts Klingende Zeitgeschichte, das sich mit institutionellen Brüchen innerhalb der mdw und ihrer Vorgängerinstitutionen befasst, erstellten Haruki Noda und Eva Schörkhuber in Kooperation mit Barbara Bernhard, Hans Groiss, Christoph Jainek, Jakob Kainz, Anton Vertipolokh und Jaime Wolfson drei Podcasts, in denen Original-Dokumente aus dem Archiv der mdw akustisch in Szene gesetzt werden.

Es zeigt sich die transdisziplinäre Ausrichtung der mdw: vier Institute sowie das Archiv waren an den Grundlagenforschungen beziehungsweise an der Umsetzung beteiligt.

Wissenschaftliche Forschungen aus Bereichen der Musik- und Institutionsgeschichte wurden mit künstlerischen Herangehensweisen verwoben. Die Ergebnisse aus den Archiv-Recherchen wurden in einem Lesestück umgesetzt, von Studierenden und Absolvent_innen des Kompositionsstudiums vertont, von Studierenden des Max Reinhardt Seminars eingesprochen, von Instrumentalist_innen der mdw eingespielt und von Tonmeister_innen arrangiert. Insgesamt haben über 50 Lehrende, Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter_innen an diesen Podcasts mitgewirkt.

Inhaltlich fokussieren die Podcasts auf jene Randgeschichten aus dem 20. Jahrhundert, entlang derer sich institutionelle Brüche sowie Akte(n) des Widerstands erzählen lassen:


Kapitel 1: Das Musikakademiegesetz 1931 – Der Fall Lilly Pollak

1931 wurde ein neues Musikakademiegesetz implementiert: Die Hörer_innenschaft der Akademie für Musik und darstellende Kunst setzte sich gegen eine unter der Leitung von Karl Wiener betriebene autoritäre Reform zur Wehr, die u.a. eine Erhöhung der Studiengebühren, eine Verlängerung der Studiendauer, eine Reduktion der Studierenden- und Lehrendenzahlen sowie die Abschaffung der Fachhochschule und des Max Reinhardt Seminars vorsah. Erfolg hatte, so ein damaliger Bericht aus der Arbeiterzeitung, die Protestbewegung hinsichtlich eines ebenfalls neu installierten Kontrollprüfungssystems: Dieses wurde zu Fall gebracht, wobei die Vorsitzende der sozialistischen Musikstudent_innen, Lilly Pollak, als Unruhestifterin kurzerhand von der Akademie ausgeschlossen wurde. 

Die Geschichte wird anhand von Archivmaterialien (etwa Korrespondenzen zwischen Karl Wiener und dem Unterrichtsminister Cermak und Dokumenten aus dem Nachlass der rebellischen Studentin Lilly Pollak), Parlamentsprotokollen, Zeitungsberichten und Artikeln aus den Organgen von Studierenden-Organisationen aufgerollt und akustisch in Szene gesetzt. 

 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 1, Teil 1
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 1, Teil 2
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 1, Teil 3
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 1, Teil 4
 


Kapitel 2: Die Akademisierung der Schönberg-Schule

Dass die Schönberg-Schule eine anti-akademische gewesen sei, wie es oft zu lesen ist, ist ein Narrativ, das den Selbstdarstellungen Schönbergs und seiner Schüler entspringt. Dass die Schönberg-Schule sehr wohl auf mannigfaltige Weise mit der mdw und ihren Vorgängerinstitutionen verwoben war, wird anhand von Archivmaterialien herausgearbeitet. 

Schlaglichtartig wird die Lehrtätigkeit Arnold Schönbergs an der k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien 1910/11, die darauffolgende Diskussion über eine Ernennung Schönbergs zum Kompositions-Professor, sowie die Lehrtätigkeit der Schönberg-Schüler Erwin Ratz‘ und Hans Swarowskys ab 1945 beleuchtet.

 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 2, Teil 1
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 2, Teil 2
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 2, Teil 3
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 2, Teil 4
 


Kapitel 3: Die Wieder-Hochschulwerdung 1970 – Das demokratische Experiment

Mit der Implementierung des Hochschulgesetzes tauchen auch im Zusammenhang mit der Rektor_innen-Wahl 1971 demokratiepolitische Fragen auf, die von Studierenden und Angehörigen des Mittelbaus vor allem in Hinblick auf ein Mitspracherecht und Vertretungsstrukturen verhandelt werden. 

Die damaligen Auseinandersetzungen werden anhand von Archivmaterialien, Interviews mit den damaligen Studierenden-Vertreter_innen, Audio-Dokumenten aus der Mediathek, Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichten sowie von Parlamentsprotokollen nachgezeichnet und als ein weiterer Aspekt der Klingenden Zeitgeschichte vertont. 

 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 3, Teil 1
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 3, Teil 2
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 3, Teil 3
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 3, Teil 4
 

Klingende Zeitgeschichte, Kapitel 3, Teil 5
 


Weitere Informationen

Für 2022 sind öffentliche Vorführungen an verschiedenen Spielstätten geplant. Abonnieren Sie den Newsletter der mdw für Veranstaltungankündigungen und Wissenswertes rund um die mdw.


Aufnahmeleitung und sprecherische Erarbeitung der Texte: Barbara Maria Bernhard
Aufnahmeleitung und Koordination Musik: Jaime Wolfson und Haruki Noda
Produktion: Christoph Jainek, Jakob Kainz und Anton Vertipolokh
Koordination Tonmeister: Hans Groiss und Bernd Oberlinninger
Sounddesign Tonmarken: Anton Vertipolokh


Kapitel 1: Das Musikakademiegesetz von 1931 – Der Fall Lilly Pollak

Komposition: Afamia Al-Dayaa (Teil 1 und 4), PeiYi Yang (Teil 2 und 4), Eric Ziegelbauer (Teil 3 und 4)

Die Originalkompositionen wurden eingespielt von: Anca Cristescu, Jonathan Schlee, Sara Ramírez Nájera, Nadja Stiegler, Oskar Gigele (Teil 1); Enikö Cseh, Jan Satler, Subin Hwang, Wiktoria Borkowska Anna Maria Aigner (Teil 2 und 3)

Es sprechen: Johannes Deckenbach, Laura Dittmann, Eren Kavukoglu, Alexandra Schmidt, Emma Meyer, Matthäus Zaborszyk, Wiebke Yervis, Niko Lukic, Felix Oitzinger, Andreas Schwerer, Barbara Maria Bernhard

Text und Textarrangement: Eva Schörkhuber – unter Verwendung von Originaldokumenten aus dem Archiv der mdw, dem Archiv des Vereins der Geschichte der Arbeiter_innenbewegung, und der Zeitschriftenplattform ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek


Kapitel 2: Die Akademisierung der Schönberg-Schule

Komposition: Oskar Gigele (Teil 1 und 2), Doina-Cezara Procopciuc (Teil 1 und 3), Jumi Lee (Teil 1 und 4)

Die Originalkompositionen wurden eingespielt von: Anca Cristescu, Jonathan Schlee, Sara Ramírez Nájera, Nadja Stiegler, Afamia Al-Dayaa (Teil 2); Anca Cristescu, Jonathan Schlee, Sara Ramírez Nájera, Nadja Stiegler, Oskar Gigele (Teil 3); Enikö Cseh, Jan Satler, Subin Hwang, Wiktoria Borkowska, Anna Maria Aigner (Teil 4)

Textarrangement: Eva Schörkhuber 

Text: Haruki Noda und Eva Schörkhuber – unter Verwendung von Originaldokumenten aus dem Archiv der mdw, dem Archiv des Instituts 3 und dem Archiv des Arnold Schönberg Center, sowie von Textauszügen aus:

  • Alban Berg, „Prospekt des Vereins für musikalische Privataufführungen“, erschienen in: Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn.
     
  • Manfred Huss, „Hans Swarowsky und die Lehre von der Interpretation in der Zweiten Wiener Schule“, erschienen in: , Die Lehre von der musikalischen Aufführung in der Wiener Schule. Verhandlungen des Internationalen Colloquiums Wien 1995, herausgegeben von Markus Grassl und Reinhard Kapp.
     
  • Ernst Krenek, „Freiheit und Verantwortung“, erschienen in: Musik-Konzepte Sonderband: Anton Webern II, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn.
     
  • Ohne Autor, „Diskussion“, erschienen in: Die Lehre von der musikalischen Aufführung in der Wiener Schule. Verhandlungen des Internationalen Colloquiums, herausgegeben von Markus Grassl und Reinhard Kapp.
     
  • Manfred Permoser, „‚Sie lebten das Leben eines fanatischen, militanten Ordens gefährlicher, wildäugiger Mönche…‘ Krenek und der Schönberg-Kreis – Stationen einer Annäherung“, erschienen in: Wiener Musikgeschichte: Annäherungen – Analysen – Ausblicke. Festschrift für Harmut Krones, herausgegeben von Julia Bungardt.
     
  • Erwin Ratz, „Die zehn öffentlichen Proben zur Kammersymphonie von Arnold Schönberg im Juni 1918 und der ‚Verein für musikalische Privataufführungen‘“ (1974), erschienen in: Erwin Ratz, Gesammelte Aufsätze, herausgegeben von F. C. Heller.
     
  • Hans Swarowsky, „Arnold Schönberg“, erschienen in: Hans Swarowsky, Wahrung der Gestalt. Schriften über Werk und Wiedergabe, Stil und Interpretation in der Musik, herausgegeben und redigiert von Manfred Huss.
     
  • Hans Swarowsky, „Vorwort“, erschienen in: Hans Swarowsky, Wahrung der Gestalt. Schriften über Werk und Wiedergabe, Stil und Interpretation in der Musik, herausgegeben und redigiert von Manfred Huss.

​Kapitel 3: Die Wiederhochschulwerdung 1970 – Das demokratische Experiment ​

Komposition: Haruki Noda

Die Originalkompositionen wurden eingespielt von: Anca Cristescu, Isabella Schwarz, Eunhye Joung, Mateusz Maksymilian Adamek, Wolfgang Lücking, Anton Kurzbauer, Markus Oberrauch, Florian Pöttler, Mizuki Osawa, Kathrin Amtsfeld, Chiao-Yin Wu, Emma Tarkayová, Jovana Raljic, Sara Ramírez Nájera, Rahel Rupprechter unter der Leitung von Jaime Wolfson

Text und Textarrangement: Eva Schörkhuber – unter Verwendung von Originaldokumenten aus dem Archiv der mdw, sowie von Textauszügen aus: 

  • Lynne Heller: 1970 bis 1998. Text zur Ausstellung Akademie – Hochschule – Universität: Von der Verstaatlichung zur Ausgliederung im Jahr 2009. 
     
  • Hans Maria Kneihs: Das demokratische Experiment. Text zur Ausstellung Akademie – Hochschule – Universität: Von der Verstaatlichung zur Ausgliederung im Jahr 2009. 

Die O-Töne stammen von: 
Erhard Löcker und Hans Sittner, aus einer Radiosendung vom 06.10.1970, abrufbar auf der Österreichischen Mediathek, dem audiovisuellen Archiv des technischen Museums Wien – und 
Hans Maria Kneihs im Gespräch mit Eva Schörkhuber, 20.01.2021